Claus Dueck mit seinem Osage-Orange-Bogen

Die Mutter aller (meiner) Bögen – Gastbeitrag von Bogenbauer Claus Dueck

Claus Dueck mit seinem Osage-Orange-Bogen

Wir bei Baum & Bogen schauen gern über den Tellerrand hinaus und lernen andere Bogenbauer und Bogenfreunde kennen. Vernetzen, teilen, Freunde finden – das ist unser Anliegen dabei. 

Kürzlich hatte ich – Thomas – die Freude, den Bogenbauer-Kollegen Claus Dueck kennenzulernen. An einem sonnigen Oktober-Nachmittag besuchte ich ihn auf seinem Hof bei Melle im Osnabrücker Land. Dort bietet er seine Bogenbaukurse an – begleitet von kulinarischen Köstlichkeiten, die seine Frau zaubert. Leider sind aber die Bogenbaukurse von Claus eine exklusive und rare Angelegenheit, denn als Nebenerwerbs-Bogenbauer ist die Anzahl seiner Kurse limitiert – und sie finden zudem noch mit kleiner Teilnehmerzahl statt. Ein Glückspilz also, wer mit Claus einen Bogen bauen darf 😉

Claus und ich fachsimpelten über Bogenhölzer, Kooperation und andere Themen und schossen dann ein paar Pfeile gemeinsam. Zum Abschluss versprach  Claus mir, die Geschichte seines ersten Osage-Bogens zu erzählen (den ihr auf dem Bild auch seht – es ist der dunklere). Und hier ist sie. 

Die Mutter aller (meiner) Bögen

Ein Gastbeitrag von Claus Dueck für unsere Reihe „Mein Bogen und Ich“

Ich hatte vorher schon einige Bögen gebaut – selbst und bei einigen Bogenbauern in Deutschland. Im Sommer 2013 habe ich dann einen Kurs bei Konrad Vögele besucht und in dieser einen Woche auch die Techniken zum Freilegen des Jahresrings und das Biegen von Recurves gelernt.

Auf der im November darauffolgenden PaderBow habe ich bei Stefan Raab einen Osage-Rohling gesehen, auf dem mein Name stand. Ich habe schon den Bogen im Stave gesehen und mit meinen frisch gewonnenen Erfahrungen fing ich an dieses herrliche Stück Holz mit Bandsäge, Raspel und Ziehklinge zu bearbeiten.

Es war mir eine große Freude der Maserung den Knubbeln, Bergen und Tälern zu folgen. Osage Orange ist einfach ein unglaublich anregendes Holz, weil es so verwachsen sein kann und sich trotz der hohen Druck- und Zugfestigkeit ganz wunderbar spanend bearbeiten lässt.

Für mich darf ein Bogen schön und effektiv sein. Die Recurves, die Wasserbüffelhorntips und der Griff aus sämisch gegerbtem Hirschleder sind ästethische Details, die den Bogen zu einem schönen Gesamten werden lassen. Mit der 12 strängigen Fastflightsehne und ca. 43 Pfund Zuggewicht wird dieser Bogen zu einem weich ziehenden, aber enorm schwungvoll beschleunigendem Sportgerät.

Ich habe inzwischen schon viele Bögen danach gebaut- einige davon haben auch neue Besitzer gefunden. Vor einiger Zeit hatte ich einen Interessenten, der sich ausgerechnet diesen Bogen aussuchte. Ich betrachtete es als Fügung, weil ich sowieso das Gefühl habe dass sich nicht nur jemand einen Bogen aussucht, sondern auch ein Bogen sich jemanden aussucht.

Also habe ich meinen Bogen mit einem lachenden und einem weinenden Auge verkauft. Es dauerte ungefähr 6 Wochen, als ich einen Anruf erhielt: Der Bogen hatte einen kleinen Riss an der Kante – nicht wirklich schlimm, aber zu beachten. Wir sind uns dann ganz schnell einig geworden – ich habe ihm einen neuen schönen und effektiven Osage gebaut und war glücklich meinen Bogen wieder zurück zu erhalten. Ich habe ihn an der Stelle mit Mittenwicklungsgarn und Epoxy getapt – ich liebe es, ihn mit den passenden Pfeilen zu schießen, es hat eine wunderbare Leichtigkeit.

Und ich gebe ihn nicht mehr her – vielleicht verschenke ich ihn eines Tages, wenn ich das Gefühl habe, er sucht sich jemand anderes aus.