Die Mutter aller (meiner) Bögen – Gastbeitrag von Bogenbauer Claus Dueck

Wir bei Baum & Bogen schauen gern über den Tellerrand hinaus und lernen andere Bogenbauer und Bogenfreunde kennen. Vernetzen, teilen, Freunde finden – das ist unser Anliegen dabei.  Kürzlich hatte ich – Thomas – die Freude, den Bogenbauer-Kollegen Claus Dueck kennenzulernen. An einem sonnigen Oktober-Nachmittag besuchte ich ihn auf seinem Hof bei Melle im Osnabrücker Land. Dort bietet er seine Bogenbaukurse an – begleitet von kulinarischen Köstlichkeiten, die seine Frau zaubert. Leider sind aber die Bogenbaukurse von Claus eine exklusive und rare Angelegenheit, denn als Nebenerwerbs-Bogenbauer ist die Anzahl seiner Kurse limitiert – und sie finden zudem noch mit kleiner Teilnehmerzahl statt. Ein Glückspilz also, wer mit Claus einen Bogen bauen darf 😉 Claus und ich fachsimpelten über Bogenhölzer, Kooperation und andere Themen und schossen dann ein paar Pfeile gemeinsam. Zum Abschluss versprach  Claus mir, die Geschichte seines ersten Osage-Bogens zu erzählen (den ihr auf dem Bild auch seht – es ist der dunklere). Und hier ist sie. 

Wurm in der Esche

Beim fällen und aufsägen der Bäume war ich diesmal sehr erfreut, dass die Esche so dicke Jahresringe hatte und so wunderbar gewachsen war. Durch den Eschenpilz hat sich jedoch wohl schon seit einiger Zeit so manch Getier an den Zersetzungsprozes gemacht. Beim ersten hin sehen dachte ich, klasse, 1a Holz. Beim zweiten Blick viel mir auf, dass kleine Wurmlöcher bis in die tieferen schickten des Holzes vor kamen. Schade, schade,schade.   Bei den meisten Bäumen, war nach den ersten 1,5m im Stamm keine Holzfäulnis mehr zu erkennen. Ich werde jetzt mal ein paar Spaltlinge zum Rohling machen und trocknen. Mal sehen ob das Holz für den Bogen noch taugt.

Eschenholz im Januar gefällt

Dieses Jahr stand auf meiner to do-Liste ganz groß: Bogenholz-Vorrat anlegen. Ich war an verschiedenen Orten in Brandenburg, unter anderem in Limbsdorf und in Nauen. Es ist erschreckend, wie schlecht es der Esche mittlerweile geht. Ganze Bäume, und da meine ich wirklick Bäume mit ca. 40 cm Durchmesser, fallen einfach um. Wenn man dann den Wurzelteller sieht, weiß man auch warum. Der Pilz, der sich im Splintholz der Esche einnistet, zerstört die Wurzeln, und der Baum verliert sozusagen sein Fundament. Wie wenn Fußpilz uns Menschen die Füße abfaulen lässt. In Nauen konnten wir die Eschen noch selbst fällen. Aber auch dort war es erschreckend, wie viele der Bäume dort vom Pilz befallen waren. Dort, wo die Eschen jetzt stehen werden in ein paar Jahren Bergahorn stehen. Dieser wird als Ersatz für die Esche angepflanzt.